Das Westend früher und heute: Die Blücherschule

Auf dem Blücherplatz steht ein imposantes Backsteingebäude mit farbig glasierten Ziegeln – die Blücherschule.

Das Gebäude im Renaissance-Stil wurde zwischen 1896 und 1897 vom Stadtbaumeister Felix Genzmer als Volksschule erbaut. Sie wurde nach dem preußischen Feldmarschall Gebhard Leberecht Fürst Blücher von Wahlstatt benannt und sollte sich mit ihrer aufwendigen Architektur und einer Außenanlage aus blühenden Blumenbeeten und vielen Bäumen erzieherisch wertvoll auf die Schüler*innen auswirken (vgl. Russ 2005, 22; Blücherschule 2020).

Im Ersten Weltkrieg wurde die Blücherschule von französischen Truppen in eine Kaserne umfunktioniert (vgl. Forßbohm & Wunderer 2009, 89). Zwischen den Weltkriegen beherbergte sie wieder Schüler*innen, doch im Zweiten Weltkrieg diente sie abermals als Kaserne, diesmal den US-Truppen (vgl. Blücherschule 2020). Erst 1951 kehrte die Schule zum Regelbetrieb zurück.

Seitdem fanden einige Umbauten am Schulhof statt. Auf dem Gelände der Blücherschule gibt es heute keine Rasenflächen (mehr). Vereinzelte Bäume und Sandflächen brechen den sonst gepflasterten und geteerten Hof auf, der mit Spielgeräten Platz zum Kindsein schafft. Direkt neben dem Pausenhof gibt es einen umzäunten Basketball- und Fußballplatz sowie verschiedene Spielgeräte und Sitzmöglichkeiten. Der Platz wird durch viele große Bäume begrünt.

Heute ist die Blücherschule eine musikalische Ganztagsgrundschule und seit 2002 anerkannte hessische Europaschule. Zurzeit wird sie von ca. 480 Schüler*innen aus 36 Nationen besucht. Die Schule ist seit ihrer Gründung ein sozialer Schmelztiegel, denn bereits im 19. Jahrhundert war das Westend durch einen massiven Zuzug von Bürger*innen geprägt, die nach Arbeitsmöglichkeiten in der Stadt suchten (vgl. Blücherschule 2020).

Im Gespräch mit einer Mutter, deren Kinder auf die Blücherschule gehen, wurde dieser Eindruck bestätigt. Ihre Kinder seien im multikulturellen Umfeld der Blücherschule aufgewachsen und sie würden daher keine Fragen bezüglich der Herkunft ihrer Spielkamerad*innen stellen. Sie spielten gerne auf dem Spielplatz neben der Schule, was angekündigt würde mit: „Wir gehen zum Blücher!“.


Blücherschule (2020). Unsere Schule. http://www.bluecherschule.de/unsere-schule [03.06.2020].

Forßbohm, Brigitte &  Wunderer, Hartmann (2009). Kulissenästhetik des Späthistorismus. Rundgang  4.In: Geschichtswerkstatt Wiesbaden e.V. (Hg.). Wiesbaden und Rheingau zu Fuß. 22 Rundgänge und Geschichte und Gegenwart (79 –91). Wiesbaden.

Russ, Sigrid (2005). Kulturdenkmäler in Hessen. Wiesbaden I.2. Stadterweiterungen innerhalb der Ringstraße. (Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, hg. v. Landesamt für Denkmalpflege Hessen). Stuttgart: Theiss.


Dieser Beitrag gehört zur Station Fotoralley der Phase 1. Nähere Informationen findet Ihr hier.

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