Über das Projekt „Hinterhof Westend“

hinterhofwestend ist ein Projekt zum Thema Stadtforschung des Faches Kulturanthropologie/Volkskunde an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Das Projekt nimmt das Wiesbadener Westend aus der Perspektive seiner Hinterhöfe in den Blick und fragt nach der Geschichte, Bedeutung und Funktion von innerstädtischem Lebensraum in einem multikulturellen Stadtteil.

Geprägt durch die Architektur der Jahrhundertwende sind die verschachtelten Hinterhöfe und -häuser markante Merkmale des Stadtteilgefüges. Zugleich sind sie ein Symbol für die Dichte, die Vielfalt und das Nebeneinander von Lebenswelten im Westend. Die Hinterhöfe stehen für die leicht übersehbaren Zwischenräume, in denen der Alltag stattfindet, für die privaten, abseitigen, auch problematischen Facetten des Stadtteils. Mit dem Hinterhof wird der ungeschönte Alltagsort angesprochen, an dem die Diversität des Westends zum Ausdruck kommt.

Das Wiesbadener Westend und seine Hinterhöfe stecken voller Geschichte und Geschichten. Sie erzählen von vergangenen und gegenwärtigen Arbeitskulturen, von Lebensräumen von Kindern im Stadtdschungel, von Migrierten, die im Westend eine neue Heimat fanden oder weiterzogen, von Kulturnischen, in denen Wohnprojekte, Veranstaltungsräume, Ateliers und Beratungsstellen eingezogen sind.  

Für das Projekt unternehmen Master-Studenten*innen des Faches Kulturanthropologie/Volkskunde ethnographische Erkundungen im Westend und schauen hinter die Fassaden des Stadtteils. Wir sammeln Hinterhofgeschichten, die von jenen Orten, Menschen und Institutionen im Stadtteil erzählen, die das Viertel prägen und ein wenig verborgen in den Fluchten der Hinterhöfe liegen. Dazu forscht das Projektteam historisch zu Quellen und Ereignissen der Stadtteilgeschichte und befragt Anwohner*innen, Kulturschaffende und Dienstleister*innen zu ihren Ansichten. Mit der Sammlung von Hinterhofgeschichten will das Projekt der Eigenlogik und den Herausforderungen Stadtteils in Geschichte und Gegenwart nachspüren und einen digitalen Parcours für das Westend erstellen, der die Hinterhofgeschichten auf einer Webplattform zugänglich macht. Der Parcours soll dazu einladen, eigene Streifzüge durch das Westend zu unternehmen und die Erzählungen vor Ort zu erleben. In Kooperation mit lokalen Kulturschaffenden soll zudem ein performativer Stadtrundgang inszeniert werden, der an ausgewählten Stationen die jeweiligen Hinterhofgeschichten szenisch erlebbar macht. Auf diese Weise sollen die Hinterhöfe zum Spielraum ihrer eigenen Lebensraumgeschichte werden.

Das Projekt findet unter den aktuellen Bedingungen der Corona-Pandemie statt und sucht zugleich einen Umgang mit ihr. Die Pandemie hat die sozialen Fliehkräfte in der Gesellschaft verschärft und die Notwendigkeit kultureller Räume vor Augen geführt, in denen konkrete Begegnungen stattfinden können. Vor diesem Hintergrund versteht sich das Projekt als ein Beitrag zur Stadt(teil)kultur, der in seiner Umsetzung auf eine Belebung des öffentlichen Raums abzielt, indem die Hinterhöfe des Westends als Erinnerungsorte, Begegnungsorte und Möglichkeitsräume in Szene gesetzt werden.

Auf dieser Projektseite werden das Vorgehen und erste Ergebnisse der Erkundungen in den Hinterhöfen des Westends dokumentiert.